Abanotubani: das Schwefelbad-Viertel von Tiflis
Abanotubani — wörtlich «Bade-Viertel» — ist das älteste Herz von Tiflis und der Legende nach der Grund, warum die Stadt überhaupt existiert. König Wachtang Gorgassali entdeckte im 5. Jahrhundert beim Jagen heiße Thermalquellen und beschloss, hier seine neue Hauptstadt zu gründen.
Geschichte und Ursprung von Abanotubani
Die Schwefelbäder sind seit dem 5. Jahrhundert in Betrieb, obwohl die heutigen Gebäude — mit ihren charakteristischen rötlichen Backsteinкuppeln — hauptsächlich aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen. Jahrhundertelang waren sie das gesellschaftliche Zentrum von Tiflis: Hier wurden Geschäfte gemacht, Ehen arrangiert und Streitigkeiten beigelegt.
Alexandre Dumas besuchte die Bäder 1858 und beschrieb sie als «das angenehmste Erlebnis meiner gesamten Reise». Auch Puschkin frequentierte sie während seines Aufenthalts in Tiflis.
Die Schwefelbäder heute: Kultur und Tradition
Das Wasser sprudelt natürlich mit 37–38 °C und hohem Schwefel- und Mineralgehalt. Man schreibt ihm wohltuende Wirkung für Haut, Gelenke und gegen Stress zu. Heute gibt es öffentliche Bäder (günstig, gemeinschaftlich) und private Kabinen (Einzelkabinen mit eigenem Becken).
Die bekanntesten sind das Chreli-Abano (das prachtvollste, mit persischer Fassade) und die Gulo's Thermal Baths. Eine private Kabine kostet rund 10–20 GEL pro Stunde (3–6 €).
Einzigartiger Architekturstil der Kuppeln
Das Auffälligste an Abanotubani, von der Festung Narikala aus gesehen, sind die halbkugeligen Kuppeln, die aus dem Boden ragen: Die Bäder sind unterirdisch angelegt, um die natürliche Wärme zu nutzen. Die Architektur vermischt persische, arabische und georgische Einflüsse in Fassaden aus gemeinsamem Ziegel.
So genießt man Abanotubani: praktischer Ratgeber
Das Viertel ist auch ein Vergnügen zum Spazierengehen: Die Gorgassali-Straße verläuft entlang des Flusses Mtkvari mit Blick auf den Kunstwasserfall und die Altstadt. Es gibt Restaurants, Kunstgalerien und Keramikläden.
- Beste Zeit: früh morgens oder bei Sonnenuntergang, um Gruppen zu meiden
- Empfohlene Dauer: 1–2 Stunden Bad plus Spaziergang durch das Viertel
- Anreise: zu Fuß vom Freiheitsplatz (15 Min.) oder mit der U-Bahn bis Awlabari
- Kombinierbar mit: Besuch der Festung Narikala direkt über dem Viertel
Häufige Fragen
Was kostet der Eintritt in die Schwefelbäder von Tiflis?
Die öffentlichen gemeinschaftlichen Bäder kosten ab 2–3 GEL (unter 1 €). Private Kabinen mit eigenem Becken kosten ca. 10–20 GEL pro Stunde (3–6 €). Der Kisi-Service (Peeling mit speziellem Handschuh) kostet zusätzlich 15–25 GEL.
Muss man in den Bädern von Tiflis einen Badeanzug tragen?
In öffentlichen Bädern werden Handtücher und manchmal Badeanzüge bereitgestellt. In privaten Kabinen kann man ohne Kleidung baden. Es empfiehlt sich, Badeschuhe und ein eigenes Handtuch mitzubringen.
Wann besuchte Puschkin die Bäder von Tiflis?
Alexander Puschkin besuchte die Bäder von Abanotubani 1829 während seiner Kaukasusreise und beschrieb sie begeistert in seinem Bericht «Reise nach Arzrum». Er hielt sie für besser als alle europäischen Bäder, die er kannte.